Vereinbarkeit von Familie und Beruf


Wir beide sind Mütter, selbständig tätig und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist uns eine Herzensangelegenheit, die wir in unseren Jobs auf die verschiedenste Art und Weise angehen möchten.

Wir sind der Meinung, dass die Zeiten vorüber sind, in denen sich Mütter allein organisieren müssen, um wieder in ihren Beruf und oft auch in ihre Berufung zurückzukehren. Unternehmen müssen ihre Arbeitnehmer*innen beim Wiedereinstieg unterstützen, weil es erstens einen Fachkräftemangel gibt und zweitens ansonsten großes Potenzial an kompetenten Mitarbeiter*innen verloren geht.

Themen wie (international) Recruiting, aber gerade auch Diversität und Inklusion und somit auch die Vereinbarkeit sind Themen, die Unternehmen aktiv angehen und mit anderen wirtschaftlichen Unternehmenszielen auf die Prioritätenliste genommen werden müssen.


Das bedeutet unter anderem auch, dass die Arbeitgeber von sich aus einiges dafür tun müssen, um als attraktiv wahrgenommen zu werden. Denn nur so kommen Talente auf sie zu, kehren zurück und bleiben dem Unternehmen längerfristig erhalten. Doch wie schaffen sie das?


Schritte zur Vereinbarkeit

Als erstes müssen sie sich auf den herausfordernden aber dringend notwendigen Weg begeben eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Vereinbarkeit selbstverständlich macht. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen und der Weg ist oft steinig und ermüdend. Nichtdestotrotz ist es möglich. Mit Institutionen wie z.B. Luisa Hankes Vereinbarkeitslab oder Volker Baischs Väter gGmbH gibt es mittlerweile professionelle Hilfen, um ausreichende Grundlagen dafür zu schaffen.


Ein klassisches Beispiel

Aber gehen wir mal auf eine typische Situation ein, die sicherlich viele Mütter kennen: Fatou hat sich im April 2018 selbständig gemacht, weil sie keinen Arbeitgeber gefunden hat, der ihr ein Arbeitsumfeld ermöglicht, in dem sie ihre beiden Rollen als Recruiterin und Mutter so ausüben kann, wie es zu ihren Bedürfnissen passt. Und das, obwohl es als Recruiterin aufgrund der vielen Telefonate, die sie führt, zeit- und ortsunabhängig zu arbeiten, ein Leichtes wäre.


Bei einem ihrer ehemaligen Arbeitgeber hat man ihr im Vorstellungsgespräch O-Ton gesagt:„Fatou, ob Du vom Büro aus arbeitest oder bei Dir auf der Terrasse sitzt, ist uns egal“. Wie sich in der Praxis herausstellte, war es das nicht und nur ein einziger Tag im Homeoffice war mit einem riesigen Überzeugungsaufwand verbunden. Offensichtlich haben einige Entscheider alles andere als Arbeit (wie z.B. Hausarbeit und Faulenzen) mit Homeoffice verbunden. Dass aus dem Homeoffice abends Kandidatengespräche geführt wurden, war nicht interessant und völlig unerheblich. Die Message war: was zählt, ist die Zeit vor Ort im Büro!


Und genau das ist oftmals auch das größte Problem bzw. die größte Herausforderung für Mitarbeiter*innen. Flexibilität ist für Fatou wesentlich, denn sie braucht diese, um ihren Arbeitsalltag selbst bestimmt auf die Beine zu stellen. Und auch ihr Job verlangt eine hohe Flexibilität, weil sie sich nach der Erreichbarkeit ihrer Kunden und ihrer Kandidat*innen richten muss und möchte. Dafür ist die 100%-ige Anwesenheit in einem Büro absolut nicht notwendig, denn Telefonate zu Randzeiten führt sie sowieso von zu Hause.


Anforderungen anpassen

Diese Flexibilität, die Fatou in der Arbeitszeit und auch bezüglich Arbeitsort lebt, muss auch zur Selbstverständlichkeit für Unternehmen werden. Sie müssen ihre Anforderungen an die Bedürfnisse ihrer wertvollen und talentierten Mitarbeiter*innen anpassen, um zukünftig nicht auf sie verzichten zu müssen. Der einfachste Weg diesem Verzicht entgegenzuwirken ist es, mit den Mitarbeiter*innen im Austausch zu bleiben. Es gilt direkt nachzufragen, was es braucht, um ein Arbeitsmodell zu schaffen, das sie als talentierte und engagierte Arbeitskräfte im Unternehmen hält.


In Schweden ist es selbstverständlich, dass keine Meetings in der Zeit von 16:00 - 20:00 Uhr vereinbart werden, damit zum Beispiel Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder abzuholen und am Nachmittag zu betreuen. Die Führungskräfte agieren als Vorbilder und verabschieden sich lautstark als Zeichen dafür, dass es jetzt Zeit ist für das Privatleben, für Familie und die (zwischen Eltern gleichermaßen geteilte) Care-Arbeit. Ein Modell, das auch das richtige für Fatou gewesen wäre.


Grundlagen für eine Veränderung

Es ist an der Zeit, dass Unternehmen die Grundlagen für eine Veränderung im System und die entsprechenden Strukturen schaffen und dass sich Mütter trauen, nach ihrer Rückkehr aus der Elternzeit Forderungen zu stellen.


Mütter sind Multitalente, weil sie voller Leidenschaft und Hingabe ihren Job ausüben. Nicht nur, dass sie sich gut organisieren können. Nein, sie kennen sich auch bestens mit Führung aus, können mit Wachstum umgehen, Streit schlichten und Krisen im Team meistern. Und das sind letzten Endes genau die Eigenschaften, die es braucht um erfolgreich im Job zu sein.


Wenn es also darum geht, Stellen zu besetzen, sollten sich die Arbeitgeber folgende Fragen stellen:

  • Was können die Arbeitgeber bereits anbieten, das einen Beitrag zur Arbeitgeberattraktivität leistet? Gibt es Communities für Mütter und Väter oder Pflegende und entsprechende Events fürs gegenseitiges Empowerment? Wird das Thema partnerschaftliche Arbeitsteilung angesprochen? Gibt es Kinderbetreuungsmöglichkeiten für den Notfall? Oder gibt es einen Familienservice, der sich mit Fragen rund um den Familienalltag auskennt?

  • Und was brauchen eigentlich die Bewerber*innen, um diesen Job zu ihrer vollsten Zufriedenheit ausführen zu können? Ist es das Homeoffice und eine verkürzte Arbeitswoche? Sind es die Aufstiegschancen trotz Teilzeit? Oder die flexiblen Arbeitszeiten? Und was ist mit einem Jobsharing-Modell?

Gerade auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen müssen sich gegenüber den großen Unternehmen in Bezug auf diverses Recruiting und diverser Mitarbeiteraufstellung besser positionieren. Die richtigen Personalbeschaffungsmaßnahmen und individuelle Familienservices können hierbei unterstützen, die Multitalente zu finden und zu halten. Sie machen das gewisse Etwas aus und fördern die Arbeitgeberattraktivität.


Fazit

Wichtig ist es, zu fokussieren und jetzt damit anzufangen neue, mutige und auch kreative Wege zu gehen, um Ziele wie die Vereinbarkeit zu erreichen. Vereinbarkeit ist unabdingbar und der Wunsch vieler Eltern. Wenn die Unternehmen mit den Eltern zusammenarbeiten und gemeinsam Lösungen entwickeln, kann es funktionieren. In der Konsequenz werden diese Maßnahmen eine entscheidende Rolle zum Unternehmenserfolg beitragen.


Über die Autorinnen

Fatou Diakité-Micklisch (hrspecs) unterstützt als Talent Sourcerin ihre kleinen und mittelständischen Kunden dabei, die passenden Mitarbeiter zu finden und diese für ihre Kunden zu begeistern. Als Mutter von 2 Töchtern hat sie sich vor 3 Jahren nach langjähriger Festanstellung mit hrspecs. selbständig gemacht, um die Bedürfnisse Ihrer Familie besser mit Ihrem Job in Einklang zu bringen. Es ist ihre Passion, Menschen entsprechend Ihrer Stärken miteinander zu verbinden.


Als Mutter von drei Kindern kennt Sandra Hinrichs die täglichen Herausforderungen des Familienlebens. Die Gründerin von Main(e) Familienagentur und eine ehemalige Personalerin in einer Unternehmensberatung unterstützt zugezogene und berufstätige Eltern und schwangere Frauen bei der Alltagsorganisation und Freizeitgestaltung. Auch Arbeitgeber von erfolgreichen Eltern schätzen ihre individuelle Unterstützung und den Expertinnenrat, um den Mitarbeitenden mehr Zeit für den Beruf aber auch die Familie zu verschaffen.



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